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Übersicht der einzelnen Projekte der Forschungsgruppe Innerdeutsche Grenze

Mehr als zwanzig Jahre sind seit dem Fall der Berliner Mauer und dem Abbau der hermetisch abgeriegelten, die Menschen in Ost- und Westdeutschland voneinander trennenden Grenzanlagen vergangen. Die Spuren dieser Teilung sind jedoch nach wie vor sichtbar: Dort wo einst Grenzzäune, Stacheldraht, Selbstschussanlagen und Wachtürme die deutsch-deutsche Teilung manifestierten, schlängelt sich heute ein aus der Vogelperspektive weithin sichtbarer Grünstreifen durch das vereinigte Land. Das sogenannte Grüne Band gilt mit seiner einzigartigen Flora und Fauna als zu bewahrendes Naturschutzgebiet.

Mit seinem kurvigen Verlauf, mit seinen Brüchen und der Natur innewohnenden Artenvielfalt ist dies auch eine Allegorie auf die konfliktreiche kollektive und individuelle Erinnerung an die Grenze. Der erinnerungskulturelle und der geschichtspolitische Umgang mit Grenze und deutsch-deutscher Teilung nach 1989/90 ist – wie der realgeschichtliche zuvor – geprägt von individuellen Erfahrungen, von politischen Interessen, von Deutungsangeboten schulischer, universitärer und musealer Bildungseinrichtungen sowie von medialer Kommunikation. 

Die innerdeutsche Grenze als Realität, Narrativ und Element der Erinnerungskultur

Die visuelle Inszenierung der Grenze, die entscheidend auf den individuellen und kollektiven Erinnerungsprozess einwirkt, spielt in der im Kontext des Forschungsprojekts erarbeiteten Ausstellung „Grenzerfahrungen“ eine besondere Rolle. Mit großem Erfolg ist die Schau vom 26. April 2011 bis zum 14. August 2011im Historischen Museum Hannover zu sehen gewesen (siehe Presseberichte) und wurde anschließend in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn der Öffentlichkeit präsentiert. Die im Rahmen der Ausstellung begonnene Arbeit mit visuellen Quellen der Zeitgeschichte zur Grenze wird nun im Forschungsprojekt „Die innerdeutsche Grenze als Realität, Narrativ und Element der Erinnerungskultur“ in drei zusammenhängenden Teilprojekten fortgeführt. 

Steht im Forschungsvorhaben zur fotografierten Grenze neben dem Wechselverhältnis der offiziellen Bilddiskurse von Regierung, Grenzorganen und Presse sowie privater Fotografien von Grenzlandbewohnern, Grenztouristen primär die Gegenüberstellung von west- und ostdeutschen Grenzfotografien im Fokus des Interesses, muss dies im Fall der filmischen Auseinandersetzung mit der Grenze noch weiter ausdifferenziert werden. Freilich spielt auch hier der Vergleich west- und ostdeutscher Produktionen eine tragende Rolle, nichtsdestotrotz ist aufgrund der verschiedenen Ausrichtungen und Funktionsweisen von Dokumentar- und Spielfilmen eine weitergehende Aufteilung der Projekte notwendig. Während Spielfilme historische Themen auf fiktive und primär unterhaltende Art und Weise verhandeln, versuchen Dokumentarfilme eine Referenz zur Wirklichkeit zu schaffen, indem sie sich sprachlich an politischen und öffentlichen Diskursen sowie mit den Bildern an dem „Bauwerk" Grenze und dessen Umgebung orientieren.

Die innerdeutsche Grenze und Niedersachsen

Das Phänomen Grenze ist in der Forschung mittlerweile aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und zu Faktoren wie Migration oder Ethnizität, Gewalt oder Identität in Beziehung gesetzt und gelegentlich auch im historischen Vergleich untersucht worden. Zur innerdeutschen Grenze liegen heute Untersuchungen über die Situation in Berlin vor, erforscht ist die bauliche Entwicklung der Grenzanlagen. Spezialstudien existieren zu den auf DDR-Seite vorgenommenen Zwangsaussiedlungen und zu einzelnen Fällen von Grenzopfern und dokumentiert ist die Grenze als „Erinnerungslandschaft“, die in ihren Ausformungen allerdings äußerst heterogen ist. Deswegen widmet sich ein weiteres Teilprojekt dem Vorhaben, die heterogene Museumslandschaft entlang der innerdeutschen Grenze Niedersachsens zu beschreiben und die Zusammenarbeit der in der Erinnerungsarbeit engagierten Personen zu fördern. Daneben fehlen wissenschaftliche Studien zu anderen einschlägigen Themen – dies gilt auch für Niedersachsen, als Bundesland mit dem längsten Abschnitt der innerdeutschen Grenze. 

Die Entwicklung des Zonenrandgebietes und der innerdeutsche Grenze, die Geschichten von geglückten und gescheiterten Fluchten, die mit dem Kleinen Grenzverkehr zunächst punktuell durchlässiger werdende Grenze und schließlich die Grenzöffnung 1989 bilden zentrale Bestandteile der niedersächsischen Zeitgeschichte. Obwohl diese Facetten des Grenzlandes Niedersachsen das kollektive Bewusstsein breiter Bevölkerungskreise intensiv geprägt haben, sind diese Themen bislang von der Zeitgeschichte vernachlässigt worden. Mit dem Forschungsvorhaben „Die innerdeutsche Grenze und Niedersachsen“ reagiert die Projektgruppe „Innerdeutsche Grenze“ auf dieses Desiderat zunächst mit der Erforschung von Arbeit und Wirkung der 1961 im niedersächsischen Salzgitter eingerichteten Zentralen Erfassungsstelle. Ende des Jahres 2012 ist mit dem Forschungsprojekt "Die Dömitzer Brücke als Erinnerungsort" ein weiteres Teilvorhaben gestartet worden, das sich der Erinnerungslandschaft der innerdeutschen Grenze widmet.