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Inszenierte Teilung: Die Darstellung der innerdeutschen Grenze im Spielfilm

Forschungsprojekt von Christian Hellwig

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls erklärte Angela Merkel, dass die Deutsche Einheit noch nicht vollendet sei. Auch wenn die Worte der Bundeskanzlerin zuvorderst auf die nach wie vor existenten soziostrukturellen Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern gemünzt sind, gilt dies umso mehr für die erinnerungspolitische Arbeit. Die viel beschworene „Mauer in den Köpfen“ ist auch zwanzig Jahre nach der Deutschen Einheit in weiten Teilen der Gesellschaft fest verankert.

Die Historiographie sieht sich somit nicht nur mit der Aufgabe konfrontiert, die Geschichte der DDR-Diktatur aufzuarbeiten, sondern auch das Fundament und die Richtung für eine gemeinsame, nun bundesdeutsche, Erinnerungskultur zu legen. Dabei sehen sich Gesellschaft und damit verbunden die Geschichtswissenschaft seit der Wiedervereinigung mit den Schwierigkeiten und Herausforderungen einer doppelten Vergangenheitsbewältigung konfrontiert. So gilt es nicht nur weiterhin die nationalsozialistische Diktatur aufzuarbeiten, sondern eben auch die Geschichte des diktatorischen Systems der DDR. 

Die Geschichtswissenschaft ist neben Schulen, Museen und sonstigen institutionellen Trägern der Erinnerung jedoch nicht die einzige Instanz, die auf den kollektiven Erinnerungsprozess einwirkt. Sowohl der Spielfilm, als auch der Dokumentarfilm, konstruieren mit ihren Narrativen Geschichtsbilder und stehen in gewisser Weise in direkter Konkurrenz zu den professionalisierten „Hütern der Erinnerung“. Überhaupt ist die kritische Frage zu stellen, wer im zunehmend medial vermittelten Alltag des 21. Jahrhunderts zu den dominierenden Vermittlern von Geschichtsbildern gehört. Die Vermutung liegt nahe, dass gesellschaftlich populäre Vorstellungen des Vergangenen zunehmend durch mediale Formen wie Fernsehen, Kino oder aber auch Computerspiele geprägt werden. Natürlich ist die Popularität solcher audiovisuellen Geschichtsträger auch der Vorarbeit vorausgegangener erinnerungskultureller Anstrengungen zu verdanken (Rainer Wirtz).

Lässt sich in den letzten Jahren in Kino und Fernsehen eine zunehmende Fiktionalisierung und Medialisierung zeitgeschichtlicher Stoffe, gerade was die NS-Diktatur angeht, beobachten, so gilt dies mittlerweile, zwanzig Jahre nach dem Mauerfall, auch für die DDR. Insbesondere die innerdeutsche Grenze ist von aufwändigen Fernsehproduktionen (der so genannte „Eventfilm“) wiederholt in den Fokus gerückt worden (wie. z.B. „Der Tunnel“,  „Böseckendorf – Die Nacht, in der ein Dorf verschwand“, „Die Luftbrücke“, „Die Frau vom Checkpoint Charlie“, „Das Wunder von Berlin“). Nicht nur, dass bei diesen Produktionen oftmals ein „wahres Ereignis“ (so der gängige Werbeslogan) dramatisch aufbereitet wird, kommunizieren diese Filme en passant auch immer Geschichtsbilder, die es zu analysieren gilt. 

Das Forschungsprojekt „Die innerdeutsche Grenze als Realität, Narrativ und Element der Erinnerungskultur“ hat es sich deswegen zum Ziel gesetzt, die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten nicht nur als politische Grenze zu verstehen, sondern auch die Bedeutung dieser Staatsgrenze als Symbol der Erinnerung sowie als Instrument medialer Beeinflussung herauszustellen.  Um die Deutung der Grenze wurde folgerichtig in beiden deutschen Staaten gerungen. Von den Machthabern der DDR zum „antifaschistischen Schutzwall“ erklärt, wurde die Grenze im Westen zu einem Unrechtssymbol der deutschen Teilung.

Dies zeigt sich nicht zuletzt in den deutschen Filmen, die im Westen wie im Osten produziert wurden und die deutsche Teilung thematisierten. Dem Kulturbegriff von Clifford Geertz folgend muss somit differenziert werden, ob es sich um Filme handelt, die vor der Deutschen Einheit produziert wurden, oder aber - wie die im Vorigen erwähnten Beispiele - in der Retrospektive, also nach der Wiedervereinigung, entstanden. Unabhängig von der konkreten Fragestellung, sowie der Film-, also Quellenauswahl, muss sich dabei gerade der Historiker dem Spannungsfeld zwischen Fiktionalisierung und Historisierung bewusst sein, dem diese Quelle in der öffentlichen Wahrnehmung stets unterworfen ist. Ziel des Forschungsvorhabens ist es somit, die filmische Darstellung von Mauer und Grenze im filmischen Diskurs vor und nach der Wende zu analysieren sowie als Medium der Erinnerung zu erfassen.